Syrische Menschenrechtsaktivistin zu Besuch…

… im Sozialkundekurs der Abiturstufe

Syrische Menschenrechtsaktivistin zu Gast im Sozialkundekurs der Abiturstufe
Der Sozialkundekurs der Abiturstufe arbeitet aktuell thematisch an dem großen Thema Grundrechte, die sich in Bürger- und Menschenrechte untergliedern. Im Zuge dessen geht es auch darum zu prüfen: Wie ist die Situation der Menschenrechte weltweit?

Dazu war am Freitag die syrische Menschenrechtsaktivistin Farah Abou Assali zu Gast in unserem Kurs. Sie berichtete über den Konflikt in Syrien und die damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen.
Für die für uns so selbst verständlichen Grund- und Menschenrechte „Recht auf Meinungsfreiheit“ und für „unabhängige und freie Wahlen“ gingen ab 2011 Millionen Syrer und Syrerinnen im ganzen Land auf die Straße. Sie demonstrierten friedlich- sangen, tanzten, hielten Rosen in den Händen. Die Protestformen waren kreativ und gewaltfrei.

Es dauerte nicht lange und das Al Assad Regime begann auf die friedlich demonstrierenden Menschen zu schießen. Menschen wurden willkürlich verhaftet und verschwanden ohne Gerichtsverfahren in den Gefängnissen des Landes. Tausende dieser Gefangenen wurden zu Tode gefoltert.
Die Menschen in Syrien demonstrierten weiter für eine Demokratisierung des Landes. Al Assads Regime begann nun den Krieg gegen die eigene Bevölkerung und Städte wurden dem Erdboden gleich gemacht. Das Militär ging zum Beispiel mit Fassbomben gegen die eigne Bevölkerung vor – mehrere hunderttausend Menschen verloren seit den Angriffen ihr Leben. Ganze Gebiete wurden eingekesselt und von der Lebensmittelzufuhr abgeschnitten- Menschen verhungerten. Brutal wurden und werden Regimekritiker bis heute verfolgt. Niemand, der in der Revolution offen gegen das Regime agierte, kann nach Syrien zurück, solange Al Assad dieses Land regiert.
Auch die Syrerin Farah Abou Assali gehörte und gehört auf Grund ihrer politischen Aktivität zu den Verfolgten. Sie ist eine Aktivistin der ersten Stunde, die auf Grund ihres
Engagements im September 2015 gezwungen war, ihr Land zu verlassen. Vom Libanon aus führte sie ihren Kampf für Menschenrechte weiter. So kämpfte sie beispielsweise für das für uns so selbstverständliche Recht auf Bildung der Kinder in libanesischen Flüchtlingscamps.

Als das Leben für syrische Menschenrechtsaktivisten auch im Libanon zu gefährlich wird, flieht sie im Februar 2018 nach Deutschland.

Farah nahm kein Blatt vor den Mund. Wenn wir im Fernsehen den x-ten Beitrag über einen Terroranschlag sehen, können viele von uns kaum noch empathisch reagieren. Als Farah jedoch von der systematischen Unterdrückung, Ermordung, Folter und Vertreibung ihrer Mitmenschen berichtete, fiel es schwer, nicht mitzufühlen und nicht wütend zu werden.
Der Konflikt wurde sehr greifbar und nicht nur mir stellte sich die Frage: Wie können ihre und unsere Welt gleichzeitig nebeneinander existieren? Wie können wir, als Bewohner und Bewohnerinnen westlicher Staaten Menschenrechte predigen und gleichzeitig nichts gegen das Assad- Regime unternehmen, welches diese konsequent missachtet.
Eines wurde jedoch ganz klar: Farah liebt ihr Heimatland und dessen Zerrissenheit schmerzt sie, auch sie sieht kein baldiges Ende des Konfliktes, gibt jedoch die Hoffnung auf Sicherheit und Frieden nicht auf.

Mundi

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